Bocholt/Beirut, 13.08.2020, von Laura Vennekamp

Explosion in Beirut: Rückkehr der THW-Kräfte aus dem Libanon

Vergangene Woche befand sich ein rund 50-köpfiges Team der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz in Beirut, Libanon. Nach schwerwiegenden Explosionen im Hafenbereich am Dienstag, den 4. August, unterstützten die Einsatzkräfte die lokalen Behörden bei der Suche nach verschütteten Personen in Lagerhäusern und Industriegebäuden im Hafengebiet, beurteilten die Standfestigkeit von Gebäuden und unterstützten die deutsche Botschaft in der Krisenkoordination. Teil des Einsatzes war auch Josef Olbing, langjähriger SEEBA-Helfer aus dem Ortsverband Bocholt|Borken.

Auf der Suche nach Überlebenden in den Trümmern: Die SEEBA im Einsatz. Quelle: THW/Georgia Pfleiderer

„Die Alarmierung kam überraschend über Nacht“, erzählt Olbing, welcher als einer von vier Helfern des Ortsverbandes Bocholt|Borken alarmiert wurde. Für ihn ging es dennoch am selben Tag zum Flughafen in Frankfurt am Main. „Als wir dann in den frühen Morgenstunden am Donnerstag in Beirut ankamen, wurden wir zuerst auf Covid-19 getestet“, berichtet Olbing weiter. Am Einsatzgebiet angekommen, baute Olbing gemeinsam mit den Helfer*innen der Search and Rescue Gruppe 1.2 das Camp auf. Das andere Team, Search and Rescue 1.1 brach direkt zum ersten Einsatz auf.

Zu Beginn des Einsatzes unterstützten die Helfer*innen der SEEBA die lokalen Behörden bei der Suche verschütteter Personen.„Als Rescue Technician war meine Aufgabe das Suchen und Retten verschütteter Personen“, erklärt Olbing. „In diesem Einsatz lag das Hauptaugenmerk allerdings auf dem Suchen“,ergänzt er.

Systematisch wurde das Einsatzgebiet in einzelne Gebiete eingeteilt, in denen die Helfer*innen dann mithilfe von speziell ausgebildeten Rettungshunden nach verschütteten Personen suchten. „Mit ihren feinen Nasen können unsere vierbeinigen Helfer selbst unter Trümmern Menschen ausmachen. Sie sind für diese Art von Sucheinsätzen sehr wichtig für uns“, sagt Jörg Eger, Team Leader der SEEBA. Wenn einer der vier Rettungshunde angeschlagen hatte, überprüften die Einsatzkräfte danach mit technischen Ortungsgeräten, ob beispielsweise Klopfzeichen zu hören sind.

Nach der offiziellen Beendigung der Sucharbeiten durch die lokalen Behörden flog der Großteil des SEEBA-Teams am Montag, den 10. August zurück nach Deutschland, unter ihnen auch der Helferdes Ortsverbandes Bocholt|Borken, Josef Olbing. Der restliche Teil des Teams verblieb bis heute, Donnerstag, den 13. August in Beirut, um weiterhin bei der Beurteilung von Gebäudeschäden zu unterstützen.

Grund für den Einsatz waren schwerwiegende Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Nach den Explosionen hatte die libanesische Regierung ein internationales Hilfeersuchen an die Europäische Union gerichtet. Im Auftrag der Bundesregierung wurde daraufhin die SEEBA im Rahmen des Hilfeersuchen entsendet.

Für Olbing steht fest, dass er auch bei kommenden Einsätzen der SEEBA wieder mithelfen wird. „Hinter den Einsätzen der SEEBA steht immer sehr großes menschliches Leid, dessen ist man sich bewusst. Allerdings ist man froh, mit seinem jahrelangen Training und den erlernten Fähigkeiten helfen zu können und im Rahmen dieser Möglichkeiten das Leid zu lindern“.Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der SEEBA können nach einer Alarmierung innerhalb von sechs Stunden abflugbereit am Flughafen stehen. Ihre Ausrüstung, welche dieses Mal 16 Tonnen schwer war, ist in Leichtmetallkisten verpackt und kann daher auch in herkömmlichen Verkehrsflugzeugen transportiert werden.

Gegründet wurde die SEEBA auf Grundlage der bei der Erdbebenkatastrophe in Mexiko 1895 gewonnen Erfahrungen. Sie erfüllt die Qualitätskriterien der International Search and Rescue Advisory Group (INSARAG) und hatte mittlerweile vielfach Gelegenheit, ihre einsatztaktische Berechtigung unter Beweis zu stellen, so zum Beispiel nach schweren Erdbeben in Indien, der Türkei, im Iran und in Pakistan.

Unterstützung, insbesondere im Bereich der medizinischen Versorgung bekamen die Helfer*innen der SEEBA von vier Einsatzkräften von ISAR Germany im Rahmen einer Kooperation für diesen Einsatz. Ebenfalls dabei war ein vierköpfiges Team zur Unterstützung der deutschen Botschaft, darin integriert der Vertreter der Analytischen Task Force (ATF) der Feuerwehren Deutschland. Zusätzlich war ein weiteres dreiköpfiges ISAR Team zur Erkundung von medizinischen Bedarfen vor Ort.


  • Auf der Suche nach Überlebenden in den Trümmern: Die SEEBA im Einsatz. Quelle: THW/Georgia Pfleiderer

  • Während des Einsatzes ist sowohl von Mensch als auch Tier höchste Konzentration gefragt. Quelle: THW/Christian Wenzel

  • Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, besuchte die Einsatzstelle und dankte den Teams, die über den EU-Mechanismus angefordert wurden, für ihren Einsatz. Quelle: THW/Christian Wenzel

  • Immer der Nase nach: Die feinen Riechorgane der Hunde können selbst schwachen menschlichen Geruch wahrnehmen und so Menschen unter Trümmern orten. Quelle: THW/Georgia Pfleiderer

  • Auf der Suche nach Vermissten setzen die Helferinnen und Helfer des THW unter anderem speziell ausgebildete Suchhunde ein. Quelle: THW/Christian Wenzel

  • Ein Großteil des SEEBA-Teams Anfang kehrte nach vier Tagen aus dem Einsatz im Libanon zurück. Quelle: THW;

  • An den zahlreichen zerstörten Gebäuden war die Expertise der Baufachberatung des THW gefragt. Quelle: THW/Georgia Pfleiderer

  • Der Einsatzort der SEEBA war direkt am vollkommen zerstörten Hafen. Quelle: THW/Christian Wenzel

  • Kommunikation und Abstimmung zwischen den Einsatzkräften ist im Einsatz das A und O. Quelle: THW/Christian Wenzel

  • Während des Einsatzes wird das SEEBA-Team von Einsatzkräften von ISAR Germany im Rahmen einer Einsatzkooperation unterstützt. Quelle: THW/Georgia Pfleiderer

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